
Komplett ge-leaktes iPhone 5 und Lightning Stecker. Gerichtliches Armdrücken mit Samsung. Apple Maps mit Heisenbergscher Unschärfe. Kratzer im Lack. Gelbe Displays. LTE nur bei der Deutschen Telekom. Und nur 5 Millionen verkaufte iPhone 5 am ersten Wochenende. Ganz klar: Kaum weilt Steve Jobs nicht mehr unter uns, geht es bergab mit Apple. Was ist daran? Verzerrte Wahrnehmung? Trend Apple-Bashing? Der Anfang vom Ende?
Die Augensauger…
Schaut man genauer hin, wer seinen Darm bevorzugt in den Shitstorm entleert, so sind es die, die am meisten von euren Augäpfeln haben – werbefinanzierte Medien, trittbrettfahrende Android-Fanboys und sonstige Gelbseher. Klar, Kratzer im frisch ausgepacktem iPhone 5 würden mich auch Amok laufen lassen. Gelbstiche kriegt Apple auf magische Art und Weise mit Software-Updates entfärbt und Apples Maps hätte ganz gut ein Beta-Stempel gestanden. Aber viele die jetzt rumpupen, verstehen Apple einfach nicht oder gehören zu denen, die Apple einfach nicht wichtig sind.
Ein Schritt!
Keiner kennt die große iPhone Vision am Horizont, außer Apple selbst. Keiner kennt den super geheimen Dummy, der alles verkörpert was Apple lieber heute als morgen machen würde, wenn die Technik, die Nutzer und deren Geldbeutel mitspielen würden. Aber wir können transponieren: Von der Breite und Höhe scheint Apple sein Ideal gefunden zu haben. Flacher geht immer – solange noch eine gewisse Wertigkeit rein passt. Ewige Batterielaufzeiten, lichtschnelle Prozessoren, Sensoren so viele und gute halt reinpassen, das Überall-Internet, Display und Töne so gut oder besser als in echt. Danach geht nix mehr – außer bei der magischen Software. Noch sind wir nicht da. Aber das iPhone 5 ist, nachdem alles im Vergleich zum iPhone 4S neu gemacht wurde, ein Schritt in Richtung dieses Ideals. Das 5S wird ein halber Schritt, das iPhone 6 wieder ein großer. Und wenn ein großer Schritt aufgrund der aktuell verfügbaren Technik gerade nicht möglich ist, wird Apple diesen Schritt mit seinem Software-Bein machen. So einfach.
Und vergessen wir nicht die Schrittlängen der Konkurrenz: Nokia hat zu Symbian-Zeiten Apples Jahresschritte nicht in einem Jahrzehnt hinbekommen. Googles Android-Schritte werden zunehmend kleiner und versuchen weiterhin aufzuholen. Microsoft kündigt seine preislosen Schritte lieber für eine unbestimmte Zukunft an. Und RIM verbleibt in seiner Schockstarre.
Und nun?
Wer soll sich das iPhone 5 holen? Ich habe mal ein paar kreative Personas entwickelt und mit einer Empfehlung verziert:
iPhone 4 und älter Besitzer
Empfehlung: Kaufen – wenn man nicht von 30-Pin-Konnektoren umzingelt ist. Sonst noch etwas warten, bis alles gegen AirPlay-fähige Geräte ausgetauscht ist. Dann aber.
Auf der Kante Lebende
Empfehlung: Ihr habt ja schon alle innerhalb der ersten 60 Minuten bestellt – gell?
Vanilla Android Besitzer
Empfehlung: Wenn das eine bewusste Entscheidung war: nicht kaufen. Das Bashing eurer Freunde wird schlimmer sein, als die Freuden, die ein iPhone 5 bereiten kann.
Nicht-Smartphone-Besitzer
Empfehlung: Kaufen – es gibt nichts besseres, nichts zukunftssichereres und nichts, was weniger erklärungsbedürftig ist.
Windows Phone 7.X und älter Besitzer
Empfehlung: Microsoft hat euch einmal verarscht, lasst euch kein zweites Mal mit einem nicht-update-fähigem Smartphone verarschen und kauft euch ein iPhone 5.
Blackberry Besitzer
Empfehlung: Wechselt den Arbeitgeber.
Mein Eindruck
Zugegeben ich war skeptisch. Insgeheim hatte ich gehofft, dass die ganzen Lecks ein wohl inszeniertes Ablenkungsmanöver von Apple sind. Besonders nachdem Tim Cook auf der D10 auf Geheimhaltung „double-dow”-nen wollte. Nun ist doch alles gekommen, wie man es schon vorher wusste – aber es ist trotzdem genial. Ja, das iPhone 5 fühlt sich leichter an, aber genau so (hoch-)wertig wie das iPhone 4 – sogar noch handschmeichelnder, ähnlich wie das erste iPhone. Und ja, obwohl die iPhones immer schon ein Beispiel an Flüssigkeit waren – es ist nochmals buttriger geworden. Das iPhone 5 ist rasend schnell. Das größere Display? Keine Revolution, aber die paar hundert Pixel nimmt man gern mit. Der veränderte Formfaktor ist überhaupt nicht kopflastig und eine leicht veränderte Handhaltung lässt einen bereits nach einigen Tagen vergessen, dass es jemals ein kleineres, knubbeligeres iPhone gegeben hat. Die Kamera hat ein Nachtsicht-Gerät bekommen und mit seinen drei Mikrofonen wird jeder Spion neidisch. LTE frisst arme kleine Batterien – dachte ich – und braucht kein vernünftiger Mensch. LTE ist so pfeilschnell, wie ein Überall-WLAN – wenn man es sich leisten kann, Empfang hat und bei der Deutschen Telekom Kunde ist. Der klitzekleine Lightning Konnektor ist nur genial und wenn man gewohnt ist sein iPhone kopfüber in der Hosentasche zu versenken, ist der Kopfhörerausgang genau an der richtigen Stelle.
Und noch ein Tipp: Wer es sich leisten kann, holt sich sein iPhone nicht bei einem Mobilfunkanbieter. Wenn mal mit dem iPhone etwas ist, ist eine Reklamation oder ein Austausch bei Apple ein Kuchenstück. Bei den Mobilfunkanbieter wird man wie ein Feature Phone-Besitzer abgespeißt, muss sein iPhone bis zu drei mal in Reparatur schicken, bevor überhaupt ein Austausch in Frage kommt. Und nur wenn man Glück hat, bekommt man ein Austauschgerät – einen alten Nokia-Knochen. Nein danke. Und wenn es doch ein Mobilfunkanbieter sein muss, kann man zwischen Pest und Cholera wählen: Kein SIM-lock und kein LTE bei Vodafone oder SIM-lock und LTE bei der Deutschen Telekom. Wie das die Kleineren halten, weiß ich nicht.
Ein Fazit
Das iPhone 5 ist das beste iPhone, das es jemals gab. Es ist ein großer Schritt zum großen Ideal. Wer Seelenfrieden schätzt und im Apple Cosmos lebt, ist gut damit bedient. Ich werde noch eine große Tonne Spaß damit haben.