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Nexus One - second to none. Not.
Das Nexus One und ich, wir waren eins. Für eine ganze Woche. Mein bis dahin geliebtes iPhone 3 GS musste so lange ausziehen. Und wie versprochen, habe ich es gemieden, soweit es mir beruflich möglich war. Zwar hatte ich versprochen täglich meinen Leidensweg zu schildern. Am Ende war es aber doch nicht so schlimm und wirklich aufregende, mitteilungswürdige Dinge haben sich selten ergeben. Aber jetzt ist die Flitterwoche vorbei - Zeit für ein erstes Fazit.
UND?
Bevor ich meine dokumentierten Details, positive wie negative, vor euch ausbreite, möchte ich eure brennenste Frage beantworten: ‘Ist das Nexus One besser als das iPhone?’ Meine aufrichtige Antwort ist: ‘Nein.’ Aber es kommt auf dein Voreheleben an. Wenn du noch nie ein iPhone besessen hast, privat oder geschäftlich nicht mit einem Mac arbeitest oder dich sogar an MobileMe vergeben hast, dann würde meine Antwort lauten: ‘Ja.’
Warum?
Trotz aller bekannten Hardware Features, wie das OLED Display, die 5 MegaPixel Kamera samt LED Blitz, die austauschbare Batterie, dem SD-Karten Slot und dem Gigaherz Prozessor, ist das Nexus One in meinen Augen zwar das definitiv beste Android Smartphone, aber nur das zweitbeste überhaupt. Wie gesagt - wenn man nicht von Apples Kelch getrunken hat. Wer im Web eh schon Google Kunde ist, Google Mail, Calendar, Talk, Reader und Picasa nutzt, wer sich nicht mit irgendwas auf seinem Desktop (egal ob PC oder Mac) synchronisieren muss, wer einfach unterwegs nicht umfassend mit dem Internet verbunden bleiben will - für den kann das Nexus One das beste Smarthpone sein.
Darum!
Aber mein Startpunkt, den ich hier beschrieben habe, war ein anderer. Trotzdem möchte ich euch meine Eindrücke nicht vorenthalten, helfen Sie eventuell auch einem Nicht-Macianer zu entscheiden, welches der beiden Königskinder das attraktivere ist.
Hardware
Ohne Frage, das Nexus One ist ein Handschmeichler und en par mit dem iPhone. Fast gleiche Maße, dezent geringeres Gewicht und ein teflonartiges Feeling. Letztgenanntes lässt es etwas sicherer in der Hand liegen und in einer Handy-Socke eingelullt, rutscht es nicht so schnell raus. Es gibt auch ästhetische Details, wie die Symmetrie zwischen den beiden Stromkontakten auf der linken unteren Seite und dem einen auf der rechten mit dem Mikrophon im gleichen Abstand.
Die Schönheit des OLED Display ist schon genügend an anderer Stelle gehuldigt worden. Das es zum Biest im direkten Sonnenlicht wird, sollte aber jedem bewusst sein. Zum schlechten Charakter, der sowohl drinnen wie draußen zum Tragen kommt, gehören die vier im Display integrierten Buttons für Zurück, Menü, Home und Suchen. Diese reagieren auf Berührungen ungefähr so allergisch, wie Vampire auf Silber. Kein guter Schachzug für Bedienelemente, die mit zu den am häufigst genutzten gehören. Vor allem der Home Button gehört für meinen Geschmack definitiv in Physik gegossen. Er soll mich verlässlich nach Hause bringen, ohne das ich hingucken oder es mehrfach probieren muss. Der Scrollball würde sich definitiv dafür anbieten, aber dessen Teufelswerk wird an anderer Stelle beschrieben.
Das Durchhaltevermögen des Nexus One in Sachen Standby bewegt sich auf gleichem Niveau wie beim iPhone 3 GS. Mit aktiviertem 3G schläft es gern jede Nacht am Ladegerät. Bei 2G kommt es durch die Nacht, hätte aber gern um die Mittagszeit einen kleinen Nachschlag Strom. Wenn es einmal leergelaufen ist, wacht es brav wieder am Strom auf und verhält sich nicht so komatös wie der Palm Pré, der erst einen bestimmten Ladestand benötigt, bevor er sich aufzuwachen traut.
Mit zum Besten gehört für mich das aktive Noise Cancelling. Das zweite Mikrophon auf der Rückseite nimmt Umgebungsgeräusche auf und regelt damit die Qualität der Wiedergabe und Aufnahme. Klasse. Ich weiß zwar nicht, ob es ein Verdienst des Noise Canceling ist, aber in der Bluetooth Freisprecheinrichtung meines Minis, klingt das Nexus One deutlich lauter, als das iPhone. Selbst wenn ich die Lautstärke voll aufdrehe bin ich gezwungen mit dem iPhone nur 120 km/h zu fahren, um meine Gesprächspartnerin noch zu verstehen.
Software
Aua - eine Tasche voll Schmerz. Das Webseiten und HTML-E-Mails nicht korrekt dargestellt werden, kann ich noch knapp durchgehen lassen. Aber in Kombination mit der unpräzisen Doubletap-Vergrößerung (die regelmäßig als Anklicken eines Links missinterpretiert wird) und der fehlenden Vergrößerungsfunktion im E-Mail-Programm. Grr. Auch das schnelle Scrollen an den Anfang einer Webseite mit einem Doubletap auf den Status Bar, wie wir es vom iPhone kennen - Fehlanzeige. Zwar bauen sich Webseiten auf dem Nexus One rasend schnell auf und das schnelle Scrolling unterstützt auch den Geschwindigkeitsrausch, aber eine Webseite wie Techcrunch muss ich vier mal (mit Auslaufen lassen) anstupsen, bis ich am Anfang bin. Da ist der dezente Doubletap im Safari ein echter Igel.
Wo wir gerade beim Browser sind: Was haben wir über das fehlende Copy-n-Paste auf dem iPhone gelästert. Das können wir nun beim Android Browser weiter machen. Eine Text- oder Bildselektion geht nämlich gar nicht. Dito in den E-Mail-Programmen. Eine Textselektion geht nämlich nur in Eingabefeldern. Und zwar so: Zuerst muss der Cursor mit dem Scrollbällchen an die richtige Stelle buchsiert werden. Einfach an die entsprechende Stelle tappen oder dann sogar die Einfügemarke verschieben geht nicht. Nun laaange irgendwo in das Eingabefeld tappen. Es öffnet sich ein Menü, in dem ‘Select text’ zu wählen ist. Jetzt die Einfügemarke verschieben, wobei der Text selektiert wird. Dann den Scrollball drücken und aus dem Menü wahlweise ‘Cut’ oder ‘Copy’ wählen mit erneutem Drücken. Nun wieder die Einfügemarke via Scrollball an die Stelle verschieben, wo wir den Text einfügen wollen. Nun wieder laaange tappen oder ab und an klappt es auch den Scrollball zu drücken. Wieder geht das Menü auf, aus dem nun ‘Paste’ zu wählen ist. Da sage ich, dann lieber gar nicht.
Ein weiteres, sehr essentielles Problem ergibt sich aus der hakeligen Synchronisationsfähigkeit zwischen dem Nexus One und den Programmen, die ich üblicherweise auf dem Mac benutze, wie iCal und Address Book. Zwar gibt es in Snow Leopard die Möglichkeit ein Google Account zu hinterlegen, aber die Synchronisierung klappt entweder nur bei der Einrichtung oder nur unidirektional oder nach einem nicht nachvollziehbarem Zufallsprinzip. Android Handys lassen sich definitiv nur produktiv nutzen, wenn man mit E-Mails, Kalender und Kontakten in der Wolke lebt und dann auch nur bei Google. Ich weiß, dass Lieschen Müller alle ihre Kontakte auf der SIM-Karte hat, mit SMS statt E-Mail zufrieden ist und gar nicht erst weiß, dass ihr Handy einen Kalender hat - aber hallo, wir sind im 21. Jahrhundert und auch Google sollte wissen, dass es da draußen noch etwas anderes gibt.
Ein wahrscheinlich nur mittelfristiges Problem ist der Reifegrad bei Android Applikationen im Allgemeinen. Die Facebook App verlinkt zu häufig in das mobile Interface von Facebook. Seesmic, nach einhelliger Meinung der noch am besten zu ertragende Twitter Client, kann es nur mit einem Account. Splash ID weigert sich standhaft trotz kauf, mit dem Desktop Pendant zu synchronisieren. Google Goggles braucht definitiv eine Augenlasik. Foursquare macht seinen Job schon mit am Besten. Eine richtige Perle dagegen, habe ich mit SlideScreen entdeckt. Wobei die Entwickler ihr Produkt dringend als Idle Screen-Ersatz und nicht als Home Screen-Ersatz umschreiben und positionieren sollten. Doch dazu hoffentlich später mehr in einem eigenen Posting.
Netz
Nothing special here. Das US Nexus One läuft prima im deutschen Netz der Deutschen Telekom und das mit 3G und 2G. Die in den USA aufgetauchte Problematik, dass das Nexus One bei aktiviertem 3G zwischendurch auf 2G springt, konnte ich nicht feststellen. Allerdings befinde ich mich auf größtenteils in Bereichen mit stabilem Wi-Fi. Ach ja, noch eine Entdeckung, die ihr bestimmt schon lange wusstet, ich aber nicht. Handys, die aktiv auf 2G gebremst werden, stören mit ihrem Gesumme und Geknatter umliegende Lautsprecher. Sehr nervig. Geht aber weg, wenn man 3G aktiviert - genauso wie der Strom in der Batterie.
Bonus
Als Bonus möchte ich euch an einer persönlichen Theorie teil haben lassen. Ich glaube nämlich nicht, dass das Nexus One ein von langer Hand geplanter Coup von Google ist. So, wie wir Eingeweihte das von Apple gewohnt sind. Google hat zwangsläufig sehr häufig Kontakt mit Hardware-Herstellern, die Android Devices bauen bzw. bauen wollen. Bei Handys verhält es sich eben nicht so, dass auf jedwelcher Hardware irgendein OS geworfen werden kann. Und eines Tages hat dann HTC Google einen frühen Prototypen des Nexus One gezeigt. Google erkannte schnell, dass zum ersten Mal seit dem das iPhone Anfang 2007 präsentiert wurde, ein Smartphone in dessen Hardware-Nähe gekommen ist. Nach drei Jahren (hier bitte kurz innehalten), nach drei Jahren! Egal welcher Anbieter, egal welches Handy-Betriebsystem - keiner hat es auf die Kette bekommen. Bis dahin. Fand Google auch und dachte sich, bevor HTC damit bei den Carriern aufschlägt, ziehen wir es uns an Land.
Warum ich das glaube? Nun, das Nexus One hatte einfach denkbar schlechte Startbedingungen für ein Smartphone von Google. Es läuft in den USA nur vernünftig beim drittgrößten Carrier, es gab und gibt keinen funktionierenden Support, Kunden sind es nicht gewohnt über das Internet ihr Handy samt Vertrag zu kaufen, Kunden müssen mit Google Checkout bezahlen, ein paar Monate vorher startete das ‘ultimative’ Android Smartphone, das Motorola Droid und Google riskiert mit den anderen Hardware-Herstellern und den Carriern Hardball zu spielen. Selbst beim Selbstbewusstsein einer Google, klingt das für mich arg nach Harakiri.
Aber egal, die ganze Welt zittert und befragt die Orakel, was Google bloß mit seinen eigenen Smartphones vor hat. Sicher, Google will die Nutzung vom mobilen Internet fördern, Nutzer an seine eigenen Services binden und hoffen, dass alle fleißig auf mobile Anzeigen klicken und weiter die indexierbare Datenmenge vergrößern. Aber mal ehrlich, das Nexus One mit anderem Namen, in Europa, vom größten Carrier Vodafone mit seinen Shops, seinen Support und seiner iPhone-Aversion verkauft hätte deutlich bessere Absatzzahlen und damit Googles Intention erreicht. Ach ja, Vodafone setzt ja gerade auf Vodafone 360, wahrscheinlich im Vergleich zu einem selbstvertriebenen Nexus One, das falsche Pferd.
Und jetzt?
Das Nexus One wird mein Lieblings-Android-Smartphone bleiben. Und ich werde gern dort Dinge probieren, die mir ein iPhone von Apple nicht ermöglicht. Noch sind es nicht viele, aber das kann ja noch werden.
PS
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© 2010 by Yves Luther
http://yves.to/82 @hiyves <= Proudly copied and pasted with a Nexus One. I used speech recognition to write this text. Darum englisch.. ;
2010-01-24, 00:26
blogarazzo
blogarazzo